© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Interview mit Julia Beylouny (von Sabine Ibing) Julia Beylouny, Jahrgang 1980, kommt aus Paderborn und lebt in Salzkotten. Mit dreizehn schrieb sie ihre ersten Gedichte. Schon als Kind liebte sie die Fantastik. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr Debütroman eine Fantasy-Trilogie war: «Durch die Flut» Ihr letztes Buch ist ein Liebesroman, «Lisanne». S.I.:  Wie kamst du auf dieses Pseudonym? J.B.:  Es ist kein Pseudonym :) Ich heisse tatsächlich so.  S.I.:  Berichte uns von deinem letzten Buch. J.B.:  Lisanne“ ist ein Liebesroman mit einer kleinen Prise Fantasy. Die Geschichte spielt in Cornwall. Lisannes Eltern haben dort eine kleine Farm und der Landarbeiter Logan, der seit einiger Zeit dort arbeitet, ist ein auf den ersten Blick verschlossener, merkwürdiger Kerl, mit dem Lisanne so gar nichts anfangen kann. Dann schickt ihr Vater sie zusammen nach Bristol auf eine Rindershow und die beiden müssen wohl oder übel miteinander auskommen. Es wäre kein Liebesroman, wenn sie sich nicht ineinander verlieben würden. Aber das Geheimnis, das Logan mit sich trägt, gefährdet ihre junge Liebe.  Das Ende ist überraschend und es stellt sich die Frage, ob Lisanne mit der Wahrheit leben kann ... Das Buch liest sich am besten mit einem leckeren Tee, Scones und Clotted Cream ;) S.I.:  In der Fantasy Literatur agiert man meist mit ausgefeilten Charakteren. Entwickelst du deine Protagonisten dreidimensional? Geschieht das während des Schreibprozesses oder entstehen die Figuren schon vor dem ersten Kapitel? J.B.:  Ja, die Charaktere sind dreidimensional. Aber ich denke sie mir nicht aus, sondern sie kommen zu mir und stellen sich vor. Ich kenne immer den Anfang und das Ende ihrer Geschichte. Das Zwischendrin entsteht während des Schreibens. Oft mischen sich auch Charaktere ein, die ich nicht geplant habe. Dann stehen sie plötzlich da, lachen mich frech an und schauen mir dabei zu, wie ich sie in die Geschichte einflechte. Das ist nicht immer einfach :) Aber meistens arrangieren wir uns. S.I.:  Jeder Dialog und jede Szene sind Teil des erzählerischen Bogens. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Dialog am Anfang einer Szene gestellt wird oder ob die Szene mit ihm abschließt. Wieviel Gedanken machst du dir beim Schreiben, beim Überarbeiten? J.B.:  Eigentlich mache ich mir kaum Gedanken. Ich schreibe die Geschichte runter, lese später Korrektur. Hin und wieder wird dann etwas geändert, gekürzt oder hinzugefügt. Dialoge finde ich sehr wichtig. Sie machen eine Geschichte erst lebendig. S.I.:  In Romanen klingen Dialoge real. Aber sie sind ja in Wirklichkeit verdichtet, spitzen sich zu, um den dramaturgischen Effekt zu erhalten. Wie erzeugst du Dramatik und Emotionen? Nur durch Dialoge? Erzähl uns von deiner Arbeitsweise. Wieviel wird in der Überarbeitung umgestellt? Wieviel Input gibt der Lektor zum Plot, das Manuskript zu verbessern? J.B.:  Wie oben schon gesagt, finde ich Dialoge sehr wichtig. Ich versuche dabei, sie so natürlich wie möglich erscheinen zu lassen, stelle mir vor, wie ich in der Szene reagieren würde oder wie Freunde es tun würden. Ich liebe Schlagfertigkeit und Humor und binde das gern in die Dialoge ein. Dramatik und Emotionen werden durch Dialoge transportiert, Landschaftsbeschreibungen packe ich auch schon mal in einen kurzen Text. Etwa, wenn meine Protas mit dem Rad durch ein Moor fahren oder auf dem Pferderücken über einen Strand galoppieren. Dann sieht, riecht und fühlt der Leser, was der Prota sieht, riecht und fühlt. Das Lektorat ist sehr hilfreich und zeigt mir hier und dort, wo ich „betriebsblind“ in kleine Fallen getappt bin. Ich liebe Kritik und bin immer bemüht, meinen Schreibstil zu verbessern und dazuzulernen. S.I.:  Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Denkst du darüber nach, wenn du ein neues Buch in Angriff nimmst? J.B.:  Eher nicht. Ich schreibe das auf, was in mir brennt, was meine Finger kribbeln lässt und heraus will. Natürlich schaue ich mich auch um, was andere gerade so schreiben oder lesen. Aber davon lasse ich mich nicht stark beeinflussen. Es macht Spaß, sich selbst seinen Platz zu erkämpfen, Leser zu gewinnen und da bekomme ich so viel positives Feedback, dass ich einfach weiter auf diesem Weg gehen möchte. S.I.:  Welche Medien durchforstest du, bevor du anfängst zu schreiben? J.B.:  Wenn ich über Orte schreibe, an denen ich selbst noch nie gewesen bin, recherchiere ich darüber im Internet. Google Earth, Wikipedia, Reiseberichte in Urlaubsforen. Hin und wieder schaue ich auch in Fachbüchern nach oder rede mit Leuten, die sich auf dem Gebiet auskennen. Das macht Spaß und ich lerne viel dazu. S.I.:  Welcher Fantasy Autor hat dich als Jugendliche fasziniert, welcher als Erwachsene? J.B.:  Tolkien begeistert mich schon über viele Jahre. Als Kind habe ich William Goldmans „Die Braut des Prinzen“ geliebt. Momentan lese ich viel von Nicholas Sparks und Jane Austen – nicht gerade Fantasy. S.I.:  Sollte ein Liebesroman ein Grundthema haben oder meinst du, es geht eher um die Liebesgeschichte an sich? J.B.:  Ich finde die Mischung aus beidem sehr interessant. Aber das ist von Geschichte zu Geschichte anders. Es gibt intensive Liebesgeschichten und solche, in denen das Grundthema im Vordergrund steht. Also kommt es ganz darauf an, worauf man den Fokus setzen will. S.I.:  Woher nimmst du das Thema? J.B.:  Aus dem Alltag, aus dem, was Freunde und Bekannte erfahren haben oder wovon sie erzählen. Aus einem Lied im Radio, aus einem Film. Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn ...? Und dann spinne ich die Idee einfach weiter. S.I.:  Sind diese Geschichten nicht schon 1000-mal erzählt worden? J.B.:  Bestimmt. Trotzdem ist es wie im wahren Leben: Eine Liebesgeschichte ist immer wieder neu, immer wieder schön. Ich höre so gern zu, wenn Paare erzählen, wie sie sich kennengelernt haben. Das fasziniert mich. Wie zwei völlig fremde Menschen so vertraut miteinander werden können, dass sie alles für den anderen aufgeben würden. Ich glaube, von aufrichtiger Liebe zwischen zwei Menschen kann es gar nicht genug Geschichten geben. Das geht direkt ins Herz. Vor allem in einer Zeit, in der Dinge wie Treue, Liebe und Aufopferung nicht mehr erstrebenswert erscheinen. S.I.:  Gibt es ein gutes Buch von Peter Handke? J.B.:  Jetzt hast du mich ertappt. Ich habe leider noch nie was von ihm gehört oder gelesen. Das werde ich mal nachholen. S.I.:  Hast du immer noch Lampenfieber vor einer Lesung? Wenn ja, was tust du dagegen? J.B.:  Wenn keiner kommt, den ich persönlich kenne, ist das Lampenfieber kein Thema für mich. Neulich hatte ich eine Lesung, bei der meine Eltern anwesend waren. Das war echt komisch. Aber es hat gut geklappt und sie haben sich auch ganz wohl gefühlt. Ansonsten versuche ich mich immer gut auf die Lesung vorzubereiten und dann passt das schon. S.I.:  Was gibt es Neues von Julia Beylouny im Buchmarkt zu erwarten? Gibt es eine Lesetour und wo finden wir die Termine? J.B.:  Eine Lesetour mache ich nicht. Ich bin aber offen für alles und wenn sich eine Lesung ergibt, fahre ich auch gern dafür. Ansonsten bin ich regional unterwegs. Ich schreibe derzeit an einem neuen Liebesroman. Es wird sehr spannend und die Leser können sich darauf freuen. Hier eine kleine Vorschau, worum es geht: Katie sucht über eine Radiosendung nach einem neuen Job. Bayless meldet sich und bietet ihr an, sie dafür zu bezahlen, wenn sie ihm vorliest. Sie nimmt die Stelle an, ohne Bayless zu Gesicht zu bekommen, denn er versteckt sich vor ihr. Was hat er zu verbergen und wer sind Dave und Alice, dessen Geschichte sie ihm vorlesen soll? S.I.:  Ich danke dir für das Gespräch. J.B.:  Vielen Dank für das Interview! Es hat großen Spaß gemacht! Zu den anderen Interviews