© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Interview mit Astrid Korten (von Sabine Ibing) Viel brauche ich nicht über dich erzählen. Man kennt dich. Du bist Niederländerin und wohnst in Nordrhein-Westfalen, schreibst Thriller, die unter die Haut gehen. www.astrid-korten.com Du magst Friedhöfe. Was zieht dich dort in den Bann? Astrid: Im Allgemeinen faszinieren mich düstere, finstere Orte. Sie inspirieren mich. Ein interessanter Grabstein weckt immer mein Interesse. Der Grabstein wird oft als Stein der Weisen bezeichnet oder als Grabstein der Eitelkeit. Es heißt: je größer der Grabstein, desto schwieriger die Auferstehung. ;-) Das Grab und der Grabstein erzählen mir eine Geschichte – Name, Geburt, Tod, vielleicht ein Zitat, manchmal ein Beruf oder ein Foto. Wie ist das Grab geschmückt oder gepflegt? Daraus lassen sich oft Rückschlüsse ziehen. Wenn ich einen Menschen auf der Straße begegne, sagt der mir zunächst gar nichts. Ich verfüge über keine Info, aus der ich eine Geschichte ersinnen könnte.“ Dich faszinieren Psychopathen. Noch so eine gruslige Angelegenheit. Was fasziniert dich? Versuchst du zu verstehen, was in deren Köpfen vorgeht? Astrid: Die Psychopathen kommen zum Vorschein, sobald es finster genug ist. Psychopathen faszinieren, sie leben außerhalb der Norm und glauben, über dem Gesetz zu stehen. Ich habe schon einige Psychopathen persönlich kennengelernt und sie im Rahmen meiner Recherchen in der Forensischen Strafanstalt interviewt. Außerdem habe ich während meines Studiums in den Semesterferien in der geschlossenen Psychiatrie gearbeitet und gesehen, wozu Menschen mit einem erkrankten Geist fähig sind. Das Böse hat ein Alltagsgesicht. Deshalb schreibe ich Thriller. Meine Feder kann furchtbar böse und gnadenlos sein, ich weiß, aber ich kann nicht anders. Ich persönlich glaube aber an das Mysterium des Lebens, an die Gewalt der Liebe und an das schmerzlich Unberechenbare. Psychopathen, Friedhöfe, hast du noch andere Hobbys? Astrid: Ich bin eine leidenschaftliche Hobbymalerin und spiele seit meiner Kindheit Tenorsaxophon - früher in einer Band und heute privat. Du schreibst über Narzissten, ein interessantes Thema. Ich habe auch zwei Bücher über diesen Typ Mensch geschrieben. Erzähl mir etwas über einen Narzissten, mit dem du einmal in engerem Kontakt warst (Beziehung, Freundeskreis, Arbeitsstelle ...). Astrid: Ich hatte mal eine Bekannte mit narzisstischen Charakterzügen und habe lange gebraucht, um festzustellen, was das im Sinne von „krank“ bedeutet. Es war eine unangenehme Erfahrung. In deinen Thrillern wird Gewalt sehr detailliert geschildert, seitenlang. Warum tust du dir das an? Warum tust du das deinen Lesern an? Astrid: Haha. Diese Fragen stellen mir in der Regel immer nur Männer oder Lektoren. ;-) Dann antworte ich mit einer Gegenfrage: „Würdest du diese Frage auch Mankell, Dan Brown, Cody McFadyen stellen? ;-) Ich glaube nicht.“ Genau das hätte ich die Herren gefragt.  ;-)) Astrid: Autorinnen traut die Lektorenschaft Gewaltszenen nicht zu, aber seit Mo Hayder hat man sie eines Besseren belehrt. Was mich betrifft: Ich zitiere mal eine Kritik, die meinen Standpunkt treffend erläutert: „Kortens Figuren sind umgeben von einer Aura der Macht und scheuen nicht davor zurück, diese zur Erreichung ihrer eigennützigen Ziele auch auszuüben. Um ihre Antagonisten noch furchteinflößender erscheinen zu lassen, evoziert Korten eine Ästhetik der Brutalität, die jedoch niemals als inflationäre Effekthascherei, sondern als behutsam dosiertes Stilmittel eingesetzt wird. Korten schafft somit eine beängstigende Atmosphäre kalter Sterilität, beherrscht aber gleichzeitig die Kunst, nicht gänzlich emotionslos zu verbleiben.“  -  Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Mich berühren Gewaltszenen in einem Buch auch nicht besonders. Es ist Fiktion. Ich habe eine große Distanz zu dem, was ich da schreibe. Anders ist es, wenn ich jemand kennenlerne, der im realen Leben gewalttätig ist. In meinem neuen Roman „Eiskalte Verschwörung“ ist die Gewalt eine Metapher für den Missbrauch der digitalen Überwachung und nicht nur eine Versehrung des Körpers. Meinen Lesern scheint es zu gefallen, denn ich habe schon mehrere Bestseller (zwei sogar auf Platz 1 in der Ebook-Sparte) geschrieben. Du hast in Leiden Kunst studiert und später Wirtschaftswissenschaften in Maastricht. Deine Eltern haben dich nach Maastricht geholt, da du eher Lebenskunst und -lust im Studienbuch in Leiden verzeichnet hattest. In Maastricht wurdest du eine strebsame Studentin, die Wirtschaftswissenschaften nun tagsüber an der UNI betrieben hat. Was hast du in Leiden getrieben, das deine Eltern die Hände über den Kopf zusammenschlagen ließ und wie kamst du zur Läuterung? Astrid: Na rate mal. ;-) Rumhängen nennt man das heute. 2013 erschien »Eiskalte Umarmung«, gleich danach »Tödliche Perfektion«, »Eiskalter Schlaf«. Das sind ziemlich dicke Thriller. Hattest du die fertig geschrieben, bevor du das erste Buch herausgebracht hast, oder bist du ein Mensch, der mit zwei Stunden Schlaf auskommt? Astrid: Zwei Stunden Schlaf – eine wunderbare Vorstellung. Es müssen immer acht Stunden sein. Sonst wird das nichts mit dem Schreiben. Tödliche Perfektion war mein dritter Thriller, bis zum fertigen Manuskript hat es fast 2-3 Jahre gedauert (2012). Die Recherchen waren recht umfassend. Eiskalte Umarmung entstand bereits 2004 und Eiskalter Schlaf 2006.“ Mit »Eiskalter Plan« hast du den Verlag gewechselt, warum? Astrid: Meine drei ersten Thriller sind beim Ebook-Verlag dotbooks erschienen. Als Autor ein reines Ebook zu vermarkten, ist nicht so schwer. Aber mir gefällt die Kombination Ebook/Print schon besser. Mit dem Print kam dann auch das Entree in den Buchhandel. Im März des kommenden Jahres erscheint aber der Platz 1 Bestseller „Eiskalte Umarmung“ im Gmeiner-Verlag. Ich habe mich sehr gefreut, dass dotbooks die Printrechte an Gmeiner verkauft hat. Das Hörbuch gibt es schon bei Egmont Saga – derzeit als kostenloser Download bei Amazon.“ Eins muss ich mal sagen, du hast bei mir mit deinem Marketing Bewunderung ausgelöst. Du bist in den sozialen Medien vorgeprescht, kein Fleckchen, das nicht mit Astrid Korten besetzt war, kein Tag ohne Meldung, keine Zeitung ohne dich. Die Cover waren auffällig, aber ästhetisch, haben mir gefallen. Und die Trailer waren Extraklasse. Hat der Verlag die ganze Werbekampagne bezahlt oder hast du es selbst finanziert? Du hast sicher eine Agentur gehabt. Die Kampagne war keinesfalls billig. Astrid: Marketing ist das A und O – in jeder Branche. Ich bin ein Profi und nutze viele Instrumente. Vieles habe ich selbst investiert, einiges haben die Verlage übernommen. Als Autorin ist es wichtig, das „Return-of-Investment“ im Auge zu behalten. Und ich beschreite gerne ungewöhnliche Wege.“ Die große Werbetrommel und der damit einhergehende Erfolg, hat dir viel Neider gebracht. Zudem sind die Bücher gut geschrieben und du hast eine große Fanbase geschaffen. Hat dich die Missgunst persönlich getroffen oder hast du damit gerechnet? Wie gehst du damit um? Astrid: Ja, ja – Livor morda – der Neid. ;-) Was soll ich dazu sagen? Gerechnet habe ich damit nicht. Ich persönlich weiß auch nicht was Neid ist und was man dabei empfindet. Aber ich bin tatsächlich schon mit wirklich üblem Verhalten konfrontiert worden. Ich befasse mich nicht mit dieser Sorte Mensch. Sie tun mir leid. Neider sind traurige Gestalten, die ihren Neid oft hinter geschickten Formulierungen verstecken oder zwischen den Zeilen formulieren. Sie können mich nicht verletzen, weil Neid dort zu finden ist, wo Dummheit regiert. Wer nicht weiß, dass Neid die eigene Zufriedenheit zerstört und das Selbstwertgefühl schwächt, hat einen fragwürdiger Charakter und ist zudem ein dummer Mensch. Es ist ja etwas ruhiger um Astrid geworden. Hast du wieder Zeit zum Schreiben? Es ist wieder eiskalt die Tage geworden: »Eiskalte Verschwörung« erscheint am 1.11.2015. Was möchtest du uns darüber erzählen? Astrid: Ruhig … Täusch dich da mal nicht. Ein Orkan zieht auf. Aber nicht dort, wo man es vermutet. ;-) Wann erscheint dein neues Buch und was kannst du uns darüber verraten? Gibt es wieder etwas aus der eiskalten Küche? Gibt es Lesetouren in der nächsten Zeit? Wo finden wir die Termine? Astrid: Eiskalte Verschwörung erscheint am 1.11.2015. Lesetermine und andere Aktivitäten finden Interessierte immer auf meiner Webseite: www.astrid-korten.com unter Termine. Eiskalte Verschwörung ist – wie meine Autorenkollegin Jenifer Wind neulich formulierte „hochexplosiv, noch packender, grausamer, eindrücklicher und abgründiger als alle Bücher bisher. Ein eiskaltes und schockendes Leseerlebnis, das sibirische Temperaturen ins Wohnzimmer holt, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein Lese-Highlight für alle Thriller-Liebhaber und sicher einer der Top-Thriller des Jahres!“ Zum Inhalt möchte ich folgendes verraten:  Berlin ist in Aufruhr. Als das Herz von Bardo Erbach, renommierter Kriminologe und Berater des Innenministeriums, aufhört zu schlagen, erschüttert gleichzeitig ein bestialischer Mord die Bundeshauptstadt. Seine Tochter Alexa, Leiterin der Forensischen Strafanstalt, stimmt nach seiner Beisetzung einer Studie des Innenministeriums zu. Parallel geraten Alexa, ihr siebenjähriger Sohn Josh und Tom, ihr Ehemann und Ermittler beim BKA, ins Visier des Softwareentwicklers und Psychopathen Janus. Gewalt und Tod bestimmen auf einmal Alexas Leben ... Ein spannender, hochbrisanter Top-Thriller, der die Gefahren von Predictive Policing – die vorhersehende Polizeiarbeit – und der digitalen Überwachung skizziert. Ein neues Buch erscheint dann am 1.3.2016 und ist ein Roman mit „ARTE-Flair“ über eine Amour fou. (unmögliche Liebe) Ich bin gespannt, wie meine Leser auf diesen Roman reagieren werden, weil es kein Thriller ist und auch kein klassischer Liebesroman, wie es heute üblich ist. Meine Lektorin meinte: Ein Champagnertrüffel unter den Pralinen. Er wird im Amazon-Verlag Luxemburg erscheinen. Meine Thriller erscheinen im Niemeyer-Verlag. Ich habe drei neue Manuskripte in der Pipeline und ich plane eine Neuerscheinung für den Herbst 2016 – wiederum sehr spannend – wie das Leben selbst. Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Wir sehen uns in München bei den »Mörderischen Schwestern«. In irgendeiner Arbeitsgruppe sind wir gemeinsam. Astrid: Ich habe zu danken, Sabine. Hat Spaß gemacht. Zu den anderen Interviews  Mein Beitrag zur Blogtour zu Astrids  Buch “Die verlorenen Zeilen der Liebe”: Leid und Sehnsucht