© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Interview mit Gaby Wohlrab (von Sabine Ibing) Gaby Wohlrab studierte Kommuni-kationsdesign in Nürnberg und hat lange Zeit ihre Kreativität haupt-sächlich über die Malerei ausge-drückt. Sie schrieb Theaterstücke für Gemeinde- und Schulauffüh-rungen und führte dabei Regie. Phantastik Preis für Terry Pratchett und Gaby Wohlrab in 2014. Dein Erstwerk Eldorin hat den Preis für das beste deutschsprachige Fantasybuch gewonnen. Wie sieht es aus, neben so einem weltbekannten Schriftsteller zu stehen? Gaby: Leider war er da schon so krank, dass er den Preis nicht selbst entgegennehmen konnte. Das war natürlich wahnsinnig schade, nicht nur für ihn. Aber dieses Dauerblitzlichtgewitter ist schon sehr cool, ich glaub, ich hab den Rest des Abends dümmlich weitergegrinst. Nachdem dich die Verlage abgelehnt hatten, du selber publiziert hast und diesen Publikumspreis erhalten hast, stehen jetzt doch die Verlage auf der Matte? Gaby: Haha, ganz so ist es nicht. Wobei damals kein einziger der großen Verlage das Manuskript gelesen hat. Man darf ja immer nur zwei Seiten bis ca. zwei Kapitel einsenden, und selbst diese sahen sehr unberührt aus, als ich sie zurückerhielt. Inzwischen denke ich allerdings, dass ich als Selfpublisher besser fahre als mit einem Verlag. Eldorin war im Sommer für einige Wochen in den absoluten Top 100 der Kindle Charts und über Monate hinweg auf Platz 1 innerhalb etlicher Jugendbuchkategorien. Ein weiteres Talent steckt in dir, du malst sehr gut. Dein Cover hast du selbst gestaltet. Wunderschön, wie du auf deiner Website die Entstehung der Zeichnung dokumentierst! Malst du lieber oder liegt dir das Schreiben mehr? http://eldorin.blogspot.ch/p/gallery.html Gaby: Momentan schreibe ich definitiv lieber. Mit meinen Bildern bin ich nie völlig zufrieden. Klar, an Texten gibt es auch immer Verbesserungs- möglichkeiten (was einer der Gründe ist, wieso ich nicht schneller schreibe; ich beleuchte sie immer wieder) ... Und du fotografierst gern. Erkläre mir den Unterschied in der Betrachtung, mit welchem Auge sieht die Fotografin die Welt, mit welchem die Malerin? Gaby: Fotografien sind meistens Momentaufnahmen. Hier kann ich mehr experimentieren. Zwar neige ich dazu, die Umgebung wie durch einen Sucher wahrzunehmen (was mitunter dämlich aussieht, weil ich dann schon mal mit den Händen in der Luft den passenden Ausschnitt suche), aber ich muss mich nicht festlegen. Beim gemalten Bild muss ich vorher selbst Details genau bestimmen. Ich male ja im Allgemeinen Aquarelle, und dann meist Portraits. Aquarellfarben verzeihen nichts, da muss jeder Strich sitzen. Du bist ein echter Independent Autor, du hast sogar einen eigenen Verlag für dein erstes Buch gegründet. Musste es gleich ein Verlag sein? Gaby: Ich fand das einfach professioneller. Ich hatte Kontakt zu zwei sehr kleinen Verlagen (deren Lektoren Eldorin tatsächlich gelesen haben). Das Problem dabei war, dass es dort so gar nicht ins Sortiment passte. Aber: Die Lektoren waren absolut begeistert. Das war der Grund, wieso ich es gewagt habe, etwas größer einzusteigen. Ich wollte ein Hardcover, ich wollte in den Großhandel und auch in die Buchhandlungen. Das habe ich geschafft, zumindest in dem für einen SPler möglichen Rahmen. Eldorin steht durchaus mal bei großen Ketten in ganz Deutschland im Regal, aber auch in kleinen Läden, ohne dass ich dafür Werbung machen muss. Die Leser fragen nach, die Buchhändler fordern es an. Und das ist richtig toll. Ein Verlag hat den Zweck, Bücher zu publizieren. Soll es nur bei deinen Romanen bleiben oder willst du es wagen, noch andere Autoren dazuzunehmen? Gaby: Ich werde da manchmal angefragt, aber ich schaffe es leider nicht. Ich mach eh schon den Job von mehreren Leuten. Man stellt sich nicht vor, was allein an dem Erstellen eines Hardcovers hängt. Das steht demnächst wieder an. Ein normaler Tag sieht seit Jahren so aus: Ich tappe aus dem Bett, schalte zuerst den Mac an, schlurfe ins Bad und sitze dann bis auf Unterbrechungen durch die Hausarbeit (ich hasse kochen) bis tief in die Nacht am Computer, mitunter geht bereits wieder die Sonne auf. Dann schrecke ich aus dem Schlaf hoch, weil ich mir unbedingt eine wahnsinnig wichtige Notiz machen muss, die ich am nächsten Tag eh nicht mehr lesen kann ... Man sagt dir nach, du seist ein Perfektionist. Pedantisch suchst du in deinen Texten nach dem letzten Kommafehler, nach dem letzten überflüssigen Füllwort. Du bist ein Kürzer, das bei über 800 Seiten?   Gaby: Hm, ich feile an den Sätzen. Das ist das Wichtigste. Ich schreibe zigmal um, bis ich der Meinung bin, dass es jetzt gut klingt. Es kommt auch vor, dass ich ganze Abschnitte rausschmeiße, die ich überflüssig finde. Viele Selfpublisher haben sich noch nie ernsthaft mit Textarbeit auseinandergesetzt. Füllwörter, gehäufte Adjektive, Wortwiederholungen am Band, schlechte Grammatik, schlechter Ausdruck, das scheint für einige Autoren Fremdvokabular zu sein. Was rätst du diesen? IGaby: Ich glaube, manchen Autoren genügt es, ihre Bücher zu verkaufen, egal, wie viele Rechtschreib- oder Logikfehler sie enthalten. Ich finde es unfair dem Leser gegenüber, ihm diese vielen Fehler zuzumuten. Erstaunlicherweise finden aber auch Texte, die ich einfach nur grauenvoll finde, bei manchen Lesern Anklang. Ich steh dem etwas zwiegespalten gegenüber. Auf der einen Seite darf jeder schreiben, wie es ihm Spaß macht, und sei es noch so fehlerhaft. Auf der anderen Seite schadet er damit dem Image der Selfpublisher ganz gewaltig. Verbessern lässt sich immer etwas, und wenn man sich einfach mal den Duden schnappt oder die Mühe macht, seinen Text durchzuarbeiten. Sinnvoll ist es, beim Korrekturlesen nach immer nur einer einzigen Fehlerquelle zu suchen. Klar hält das auf, ich plane für ein gutes Überarbeiten mindestens ein Vierteljahr Zeit ein. Wann hast du das letzte Mal deinen Garten umgestaltet? Hast du noch Zeit für dieses Hobby? Gaby: Ich glaub, mein Unkraut lacht mich aus ... Wann erscheint dein neues Buch und was kannst du uns darüber verraten? Gibt es Lesetouren in der nächsten Zeit? Wo finden wir die  Termine? Gaby: »Eldorin – Der Erbe des Königreichs« wird Ende November erscheinen, ich bin grad beim letzten Kapitel (die sind richtig lang), und es wird noch dicker sein als Band 1. Zum Inhalt: Maya hat sich entschieden, im Elfenreich zu bleiben – nicht zuletzt wegen Larin. Dabei ahnt sie nicht, dass ihnen die größte Prüfung noch bevorsteht. Mit Hilfe ihrer Freunde war es ihnen gelungen, den Feind vorerst zu schwächen, doch droht das Land weiterhin im Chaos zu versinken. Eine riskante Reise bringt nicht nur Mayas eigenes Leben in höchste Gefahr. Alles, was sie liebt, scheint verloren. Es gibt nur eine Möglichkeit, das Schicksal zu wenden – und die führt sie direkt ins Herz der Finsternis. Absolut lustig war übrigens eine Recherche, bei der ich einen Feuerwehrmann über die Auswirkung von Drachenfeuer befragt habe. Er hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, das rechne ich ihm hoch an. Ich werde wohl zwei Lesungen im November haben, allerdings wird die eine an einer Schule stattfinden, die andere in Selb (Oberfranken). Den genauen Termin hab ich noch nicht, aber er wird auf eldorin.blogspot.de zu finden sein. Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Gaby: Sehr gerne! Es waren auch wirklich tolle Fragen, mein Kompliment! Es hat richtig Spaß gemacht. Gaby Wohlrab zeichnet ihre Cover als Aquarelle selbst. Und das sieht so aus: Zu den anderen Interviews