© Sabine Ibing, Lorib GmbH
Autorin Sabine Ibing
Bücher, die mir selbst gut gefallen haben zeitgenössische Romane Rezension Im Meer schwimmen Krokodile von Fabio Geda Fabio   Geda   (Journalist)   erzählt   die   wahre   Geschichte   des   zehnjährigen   Enaiatollah Akbari   aus   dem   Stamm   der   Hazara,   dessen   Clan   in   Afghanistan   bedroht   wird,   denn sie   sind   verfolgte   Schiiten.   Seine   Mutter   setzt   ihn   in   Pakistan   aus,   dort   sein   Glück   zu suchen,    eine    Chance    zum    Überleben.    Doch    er    hört,    im    Irak    soll    man    mehr verdienen,   wandert   weiter.   Stets   illegal   durchwandert   er   die   Länder   des   Ostens   bis nach    Europa,    immer    auf    Arbeitssuche.    Er    reist    auf    Lastwagen,    arbeitet    hart, schlägt   sich   durch,   lernt   das   Leben   von   seiner   grausamen   Seite   kennen.   Trotzdem stehen immer wieder Menschen am Wegesrand, die ihm weiterhelfen. Die   Erlebnisse,   die   er   auf   seine   nüchterne   Art   schildert,   zeigen,   was   der   Mensch alles   aushalten   kann,   wenn   er   muss.   Unbeirrbar   verfolgt   der   Junge   seinen   Weg, begibt   sich   in   Gefahren,   die   er   in   seiner   kindlichen   Naivität   nicht   einschätzen   kann. Das   Buch   zeigt   den   Leidensweg   der   Illegalen,   die   Angst   davor   haben,   krank   und hilfsbedürftig    zu    werden,    die    Angst    vor    Polizei    und    Abschiebung.    Es    zeigt    die Ausnutzung   von   Illegalen   durch   Schlepper   und   Arbeitgeber,   aber   auch   ein   Leben, in   dem   man   mit   wenig   schon   zufrieden   ist.   Geda   berichtet   im   einfachen   Stil   des Kindes,   das   niemanden   anklagt   oder   verurteilt,   sondern   sich   selbst   vertraut,   an sein   Glück   glaubt.   Er   beschreibt   sachlich   die   Umstände   und   lässt   die   Täter   sich selbst   entlarven.   Das   Buch   zeigt   auch   grosse   Menschlichkeit,   denn   immer   wieder erhält   der   Junge   Hilfe   von   anderen   auf   seiner   Reise,   die   ihm   uneigennützig   Hilfe anbieten. Zitat:   „Wie   findet   man   einen   Ort,   an   dem   man   sich   weiterentwickeln   kann,   Enaiat? Woran    erkennt    man    ihn?    –    Daran,    dass    man    nicht    mehr    weggehen    will.    Aber bestimmt   nicht   daran,   dass   er   perfekt   wäre.   So   etwas   wie   einen   perfekten   Ort   gib t es nicht. Aber es gibt Orte, an denen man wenigstens in Sicherheit ist.“ Ein   grosses   Buch,   das   uns   zeigt,   wie   viel   mehr   Demut   wir   unserem   Leben   schulden. Eine Geschichte aus dem Teil der Welt, in dem das Leben anders aussieht. Zurück zu Liste Rezension zeitgenössische Literatur Zurück zu Liste alle Rezensionen
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